Die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie e. V. (DGCH) kritisiert die Entscheidung des Bundesministeriums für Gesundheit, die Förderung der Cochrane Deutschland Stiftung Ende 2027 einzustellen.
Seit mehr als 25 Jahren leistet Cochrane Deutschland einen zentralen Beitrag zur unabhängigen Bewertung medizinischer Evidenz. Seit 2017 erfolgt diese Arbeit in der Cochrane Deutschland Stiftung mit einer öffentlichen Förderung von rund einer Million Euro pro Jahr.
Für die Chirurgie ist diese Arbeit unverzichtbar. Operative Entscheidungen sind oft komplex, Eingriffe häufig nicht reversibel, randomisierte Studien nicht immer einfach durchzuführen. Umso wichtiger ist eine systematische, methodisch belastbare Aufarbeitung der vorhandenen Daten.
Cochrane-Reviews fließen in Leitlinien ein und unterstützen damit evidenzbasierte Indikationsstellungen, Patientensicherheit und Versorgungsqualität. Sie helfen, wirksame Verfahren zu identifizieren – und Patientinnen und Patienten vor unwirksamen oder schädlichen Maßnahmen zu schützen.
Die Entscheidung widerspricht dem eigenen Anspruch der Gesundheitspolitik. Mit dem Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz (KHVVG) soll die Versorgung stärker an Qualität ausgerichtet werden. Leistungsgruppen, personelle Mindestvoraussetzungen und organisatorische Anforderungen sollen sicherstellen, dass anspruchsvolle Leistungen dort erbracht werden, wo die Voraussetzungen für gute Versorgung vorhanden sind.
Gerade deshalb braucht es unabhängige Institutionen, die Evidenz bewerten, verfügbar machen und in die Versorgung übersetzen. Wer Qualität steuern will, muss die wissenschaftlichen Grundlagen dafür sichern.
Die DGCH fordert das Bundesministerium für Gesundheit und den Deutschen Bundestag auf:
▶️ die Entscheidung zu revidieren,
▶️ eine verlässliche, langfristige öffentliche Finanzierung von Cochrane Deutschland über 2027 hinaus sicherzustellen,
▶️ evidenzbasierte Medizin als Grundlage einer qualitätsorientierten Gesundheitsversorgung zu stärken.
„Wer an der Evidenz spart, zahlt am Ende mit Versorgungsqualität“, sagt Prof. Dr. med. Jens Werner, Präsident der DGCH.
Inhalt 1:1 übernommen von der bisherigen Seite auf dgch.de (Stand 17.10.2026).